Workshop | Paper

Polnische Rezeption der Idee des Transzendentalismus: Marek J. Siemek und die Warschauer Schule für die Ideengeschichte

Andrzej Gniazdowski

Thursday 23rd May 2019

16:10 - 16:50

Die Frage, die von diesem Vortrag beantwortet werden soll, betrifft die Rolle der Rezeption der Idee des Transzendentalismus in Polen in der Überwindung des Marxismus als einer polnischen Staatsideologie nach dem Zweiten Weltkriege. Das Hauptthema des Vortrags ist die Besprechung der Auslegung der Idee des Transzendentalismus von Marek J. Siemek (1942-2011), der mit seinem dieser Idee bei Fichte und Kant gewidmeten Buch (1976) ihre neuere polnische Rezeption weitgehend bestimmt hat. Den Gegenstand der Kritik bildet hier die weit verbreitete Betrachtung jener Auslegung als eines Elements der Auseinandersetzung mit dem „wissenschaftlichen“ Marxismus im Rahmen einer Gruppe der polnischem marxistischen Revisionisten, bekannt unter dem Namen „Warschauer Schule der Ideengeschichte“. Der Vortrag stellt es sich zur Aufgabe die Grundzüge der Methodologie dieser Schule in der Ideenhistoriographie kurz zu besprechen und die zahlreichen Diskrepanzen der von Siemek bereitgestellten Auslegung mit ihr zu prüfen. Die Haptthese des Vortrags lautet, dass, insofern Siemek keineswegs auf die „inneren Antinomien“ der Idee des Transzendentalismus bei Fichte und Kant, sondern eher auf ihre unübertroffene Bedeutsamkeit in der Ideengeschichte verweist, seine Auslegung jener Idee sich auch nicht so sehr in die Tradition der Warschauer Schule für die Ideengeschichte sondern vielmehr in die des polnischen Neukantianismus einbeziehen lässt.